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Grenzüberschreitung

Die letzte Grenze haben wir gar nicht bemerkt. Eingeschlafen in Italien, aufgewacht in Griechenland. Total schmerzfrei.

Bei uns selber nehmen wir die Grenzen auch nicht immer so bewusst wahr. Die Erkenntnis hingegen ist nicht immer ganz schmerzfrei. Wann ist etwas zu viel? Was können wir nicht mehr (aus)halten? Befinden wir uns mit Neugier in der Lernzone oder stecken wir schon voll in der Panikzone? Das wissen wir ja oft erst im Nachhinein von Erlebnissen oder Begegnungen.

Wir möchten auf unserer Reise bewusst die Grenzen unserer Komfortzonen erweitern, uns und die Welt um uns herum weiter erforschen und dabei wenn möglich die Panikzone vermeiden. Rein in die Erlebnisse und Begegnungen.

Alle von uns (Dreien) haben die Grenzen dieser Zonen (Komfort- Lern- Panik) anders angelegt – bewusst oder unbewusst, durch unseren bisherigen Lebensweg. Wir finden stetig heraus, wo die bei wem wie starr abgesteckt sind. Im Erleben, im Tun, im Reflektieren. Das ist energieraubend und furchtbar anstrengend, gleichzeitig unbezahlbar bereichernd, sich die Zeit dazu zu gönnen. Besonders bei unserem 5-Jährigen sind diese Grenzen noch stark beweglich und hüpfen launisch. 🙂

“Living and learning on the road” – steht prominent oben auf dieser Seite. Wir bewegen uns ins Unbekannte. Im Erlebten liegt das Lernen. Offen sein für Neues. Das ist es wohl, was Mathias und ich als Eltern unserem kleinen Entdecker vorleben möchten.

Die nächste geografische Grenze überschreiten, bzw. überfahren wir bewusst. Morgen lassen wir Griechenland hinter uns und sind bereit für die nächste Lernzone: die Türkei.

Wann hast du zuletzt eine Grenze bei dir bemerkt/überschritten? Wie verlässt du deine Komfortzone?

Auffallen

Fallen. Weg-, zu-, hin-, über-, ab. Es gibt viele Fälle für “fallen”. Wir fallen vorallem auf.

Wir fallen auf mit unserem ungewöhnlichen Haus auf Rädern. Ein alter Militär-LKW (DAF YA 4440) inmitten der Flut von gleich aussehenden Wohnmobilen auf der Autobahn, durch die Dörfer oder auf dem Stellplatz.

Wir fallen auf und wecken das Interesse von anderen. Das ist, zugegeben, gewöhnungsbedürftig, hilft uns jedoch ungemein, um mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Das gefällt uns natürlich.

Nicht nur, wenn wir mit dem grossen Gefährt unterwegs sind. Nein, wir fallen auch auf, wenn wir mit unseren Velos die nahe Umgebung erkunden. Weil a) trägt hier sonst niemand, wirklich niemand, einen Velohelm 🙂 und b) ist James auf seinem Follow-me am Velo von Mathias oder mir der Hingucker schlechthin. Sowas scheinen die Italienerinnen und Italiener noch nie gesehen zu haben. Natürlich helfen seine Einlagen für unser Auffallen: er spielt manchmal imaginär Schlagzeug, quiekt seine Freudenschreie, regelt den Verkehr oder winkt den Leuten zu.

Die OsteopathInnen und ChiropraktikerInnen entlang unserer Strecke verdanken uns ihr Umsatzhoch: so viele verdrehte Halswirbel auf einmal gab es noch nie.

Wie und wann fällst du auf? Magst du es aufzufallen? Weshalb, weshalb nicht?

Ein bisschen zu viel Frischluftzufuhr

Stell dir mal folgende Szene vor:

Es ist ein heisser Sommertag, du sitzst im alten, heissen LKW, fährst auf der monotonen Autobahn und die Schweisstropfen kennen kein Zurückhalten. Du wünschst dir nichts sehnlicher als ein bisschen mehr Frischluft.

So war das ungefähr letzten Samstag bei uns unterwegs auf dem Weg zwischen Milano und Parma. Doch dann – BAMMM! – die Frontschutzscheibe in tausend Stücken zerbrochen (!!)

Jawohl. Auf einmal ist das etwas zuviel Frischluftzufuhr. Be careful what you wish for.

Auf einer Reise mit dem Haus auf Rädern kann viel passieren. Wir sind darauf gefasst, dass uns alle möglichen Situationen begegnen werden. Voilà! Also sind wir nur drei Tage nach dem Start der Reise kurz nach Milano schon das erste Mal gestrandet und versuchen nun diese Woche die Reparatur zu organisieren. Mit einem alten holländischen Truck alles nicht so einfach.

Das Glück im Unglück hat uns aber doch gefunden. Wir sind an einem tollen Ort (Agriturismo Cascina Pezzolo) gelandet, wo wir herzlichste Gastfreundschaft erfahren.

to be continued…

Viele Geduldsproben überstanden – Start der Reise

So war das ja nicht geplant.

Die Vorbereitung für unsere Reise hat einmal mehr gezeigt, dass planen hilfreich und sinnvoll sein kann, sich die Realität aber wenig um unsere Pläne kümmert. Wir wurden in den letzten Wochen, nein Monaten auf die Probe gestellt. Uns war klar, dass wir an unserem Occasions-Fahrzeug noch das eine oder andere erneuern oder reparieren mussten. Dass wir aber sooooo viele unvorhergesehen Baustellen überwinden müssten, dass es uns so viele Nerven, so viele Gedanken und so viel Geld kosten würde, davon war nie die Rede. Die Coach-Seite in mir sagt natürlich: toll, diese vielen Lernfelder und Entwicklungschancen. 🙂

Nun sind wir diese Woche tatsächlich losgefahren – mit zwei Monaten Verspätung zu unserem ursprünglichen Plan. Wir steuern nun den Hafen von Ancona (Italien) an um mit der Fähre nach Igoumenitsa (Griechenland) zu schippern.

Abreise am Horizont?

In Gedanken schon unterwegs. Im Moment aber noch voll in den Vorbereitungen. Chuchichäschtli neu, Boiler ersetzen, einbauen, schleifen, spachteln, wieder schleifen, streichen, abschrauben, anschrauben, wieder abschrauben, neu denken, abdichten, Wasserschläuche überall, einrichten, testen, wieder von vorne.

Die nächsten paar Wochen stecken voller TUN, die Vorfreude noch überdeckend. Irgendwann bald ist er da. Der Tag, an dem wir losfahren.