Das war unser Dezember 2023 – Teil 2

Nach der Zeit in Tbilisi hatten wir noch etwas vor. Wir wollten den südöstlichen Zipfel des Landes, nahe der Azerbaijanischen Grenze besuchen; das Gebiet rund um den Vashlovani Nationalpark und das Iori Plateau.

Da soll es schön sein, anders, einzigartig. Haben wir gelesen, wurde uns von mehreren Seiten erzählt. Na dann schauen wir doch mal.

Alle Papiere organisiert (Permit für den Nationalpark und von der Grenzpolizei – ohne geht’s nicht), genug Proviant eingekauft und mit Wasser ausgestattet für 10 Tage. Wir gehen in die Einsamkeit.

Auf dem Weg zum Nationalpark besuchten wir den lahmgelegten, ehemals sowjetischen Flugplatz Shiraki. Er war damals einer der grössten Militärflugplätze, Hangare soweit das Auge reicht. Heute grasen hier Kühe und in den Hangaren wird Getreide gelagert. Besser so.

Bald schon liessen wir die Zivilisation und somit auch die Netzverbindung hinter uns. Dank dem Off-Road Guide “Explore Georgia” OunTravela haben wir einen treuen Reisebegleiter. Die Off-Road Touren sind hervorragend beschrieben, inkl. Kartenmaterial und Koordinaten.

Schon als wir noch in Bern waren, haben wir James vorgeschlagen, dass wir den kaukasischen Leoparden im Vashlovani Nationalpark suchen. Den haben wir leider nicht gesehen. Er hat hier nicht mehr genug Lebensgrundlage. Ein Gazellen-Wiederansiedlungsprojekt zusammen mit dem WWF sollte 2015 helfen, dass wieder mehr Gazellen hier leben (eine von 20 konnten wir in der Ferne erkennen). Dann kehrt vielleicht auch der Leopard zurück.

Dafür sahen wir wunderschöne, für unsere Augen andersartige Landschaften. Wir konnten uns gar nicht sattsehen und saugten sie auf wie Schwämme.

Wir fragten uns zwischendurch, ob wir noch in Georgien sind oder schon in der Zentralasiatischen Steppe oder doch in der Afrikanischen Savanne? Unglaublich. Wir sind so dankbar, dass wir das erleben können.

In dieser stillen, menschenleeren Weite kam bei mir das Gefühl der eigenen Winzigkeit stark auf. Dieses Gefühl kenne ich gut, wenn ich in den Bergen unterwegs bin. Kennst du dieses Gefühl auch?

Die Kraft und die Gleichgültigkeit der Natur, die einfach so atemberaubend daliegt, wie wenn nichts wäre. Erst wir Menschen geben ihr die Wertung, die Bedeutung.

In der Begegnung mit der Natur begegne ich gerne auch mir selbst. Wenn alles andere drum herum weg ist. Keine Ablenkung, kein Handyempfang, keine Termine. So winzig gross bei sich selbst sein. Diese Momente hatte ich hier stark. Wenn auch die ruhigen Momente mit einem 5-jährigen Energiebündel rar und kurz sind. Sie sind da. Ich darf sie mir genehmigen. Und vielleicht sind sie gerade wegen ihres Raritätenstatus und ihrer Kürze umso kostbarer.

2 thoughts on “Das war unser Dezember 2023 – Teil 2”

Leave a comment